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SZ: Ego-Shooter abgeschafft? – Sinnvoll ober übertrieben?

Ego Shooter abgeschafft? – sinnvoll oder übertrieben?

Die Frage, ob es harmlos sei, wenn Kinder und Jugendliche am Bildschirm auf virtuelle Menschen schießen, fragen sich momentan sehr viele in der Politik. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass die große Koalition solche Spiele in Deutschland verbieten will. Es gibt viele Versammlungen, in denen intensiv über das Thema geredet und diskutiert wird, bei solchen Diskussionen werden meist Pro- und Contra-Listen angefertigt und vorgetragen. Lutz Poesseneck nennt seinen Standpunkt folgendermaßen: „Gewaltspiele führten zum Amoklauf“. Das ist verständlich, so geht es doch darum, dass Unfassbare greifbar zu machen und die urmenschliche Frage nach dem Warum zu beantworten. Wie nach dem Amoklauf von Erfurt tauchen jetzt Forderungen auf, sogenannte “Killerspiele” zu verbieten – so auch der bayrische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Kriminologen wiesen darauf hin, dass in einigen Computerspielen das Töten zwar virtuell, aber dennoch aktiv, geübt wird. In einem Kinofilm sei der Zuschauer dagegen passiv. Meiner Meinung nach ist die Forderungen nach einem Verbot der “Killerspiele” gut gemeint, geht aber zu weit. Viele Dinge können missbraucht werden – sind aber nützlich oder harmlos.

Martin Schindler ist jedoch dafür und unterstützt die Abschaffung der „Shooter“ und treibt die Diskussion über ein generelles Verbot von Ego-Shootern an. Eine Diskussion, die es eigentlich nicht geben sollte, weil eigentlich kein Verbot nötig sein sollte, für etwas, das es nicht geben dürfte. Allerdings sieht die Realität ganz anders aus. Es gibt nun mal die Ballerspiele und sie werden gespielt. Wer jetzt medienwirksam nach einem Verbot schreit, der sollte sich lieber fragen, warum brauchen wir ein Verbot, der muss sich fragen, warum findet dieses virtuelle Töten überhaupt statt? Weitere Gegner des Verbots sind vor allem Medienwissenschaftler und die Computer-Lobby. „Es sei wissenschaftlich nicht bewiesen, dass Kinder und Jugendliche mit solchen Killerspielen reale Gewalt ausüben.“ Die Befürworter sagen aber, „was wir wissen ist, dass, das Spielen solcher Spiele zur Abstumpfung gegenüber realer Gewalt in der mitmenschlichen Umgebung führt und dass die eigene Gewaltbereitschaft zunimmt.“

Häufig wird argumentiert, dass Computerspielen und Fernsehen im Kindesalter den geistigen Fähigkeiten und Fertigkeiten förderlich seien, wie etwa der Schnelligkeit des Denkens oder des Reagierens. Dazu gebe es aber nur eine einzige Untersuchung, so Spitzer, Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm und Autor des Buchs „Vorsicht Bildschirm! Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft.“ (Ernst Klett Verlag).

Was heißt das nun für unsere Gesellschaft?

Wer Pfeiffer für seine oft wissenschaftlich nicht haltbaren Zweifel verspottete, dem sollte spätestens jetzt das Grinsen einfrieren: Wenn sogar der Bundesinnenminister darauf hinweist, dass Killerspiele eine echte Gefahr für die Gesellschaft seien, muss an der Feststellung etwas dran sein. Wie sonst könnte eine so wichtige politische Persönlichkeit zu der Aussage kommen, dass „mehrere Studien“ die Behauptungen belegen? Auch wenn de Maizière nicht sagt, welche Quellen er denn nun tatsächlich nutzt, kann gar kein Zweifel daran bestehen, dass wir es hier mit fundierten, sachlichen, wissenschaftlich bewiesenen Fakten zu tun haben.

So kann sich nun auch die Bundesregierung den logischen Argumenten nicht weiter entziehen. Damit (potenzielle) Terroristen und Amokläufer nicht weiterhin in Shootern „virtuell das Töten“ trainieren können, wurden in einem Eilbeschluss sämtliche Shooter in Deutschland verboten. Zu diesem Ergebnis kam eine außerplanmäßige Sitzung des Bundesgerichtshofs, die Entscheidung ist somit nicht anfechtbar und das Verbot tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft.

Im Klartext werden „zu brutale“ Ego-Shooter verboten, keiner kann diesen Prozess aufhalten, doch die Regierung hat sich mit diesem unanfechtbaren Beschluss nicht nur Freunde gemacht. Der Hass dagegen, vor allem von Jugendlichen, ist im Netz deutlich spürbar. Ob die Regierung diesen Beschluss immer noch durchzieht, ist fraglich, jedoch sind die Anhänger des Verbotes in ihrem Recht bestätigt und treiben damit die Verbitterung weiter in die Höhe.